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Konfetti für den Landeshauptmann

BAD HALL. Trampeln, klatschen und pfeifen: Dreistufig zündete das Publikum beim Bad Haller Carneval wieder Dutzende "Raketen", weil die Gags ins Schwarze trafen. Natürlich nahm die Gilde auch ihren Stammgast Josef Pühringer aufs Korn.

Konfetti für den Landeshauptmann

Bunt und flott: Die 44. Jubiläumsfaschingssitzung des Bad Haller Carnevalsclubs wurde wieder eine gelungene Revue aus Tanz, Musikkabarett und lustigen Sketches. Bild: Josef Moser

Mit dem Einzug von Spielmannszug, Garden, Elferrat und Prinzenpaaren wurden am Freitagabend die Faschingssitzungen in der Jahn-Turnhalle wieder traditionsgemäß eröffnet. Geschichte haben auch manche Gags, auch wenn es Programmchef Anton Bartak gar nicht gerne sieht und heftig bremst, wenn seine Sketchschreiber gute Sager einem anderen Gehirn entlehnt haben. Die "Giftspritzen" (Rosemarie Kober, Andrea Wenzel) beispielsweise unterhielten das Premierenpublikum köstlich mit einem Kalauer, dass eine Frau heutzutage politisch korrekt "Mensch mit Menstruationshintergrund" heißt. In der Witzgeschichte muss gesagt werden, dass der Spaß ausgerechnet aus Köln, der "Sahelzohne des Humors" (© Alfred Dorfer), aus dem Munde der Kabarettistin Carolin Kebekus stammt. Die Definition ist so gut, dass sie die Kabarettisten Monika Gruber und Michael Niavarani zwei Jahre später ebenfalls in ihr gemeinsames Programm in Bayern eingebaut haben.

Wenn die Profis es tun, dürfen auch die Karnevalisten Federn von fremden Hühnern rupfen. Reinhard Mutschler und Fredi Gegenhuber wärmten als "Ober & Gast" eine Doppelconference aus dem Wiener Simpl der Sechzigerjahre auf. Mit Gegenhubers Kraftausdruck "Stradivari unter den Arschgeigen" haben schon Urban Priol und Frank-Markus Barwasser die Fernsehzuschauer des deutschen Kabarettformats "Neues aus der Anstalt" zum Lachen gebracht.

Bewährte Pointen sind beim Bad Haller Carneval aber nur der Fensterkitt und der Füllstoff, damit die vierstündige Revue nicht aus dem Rahmen fällt. Den Protagonisten fällt zum Glück selber sehr viel ein, und das ist meistens noch viel besser als die eingefügten Zitate.

Einer der besten Eigenbrötler im Fasching – und das österreichweit – ist sicherlich Ernst Sieghartsleitner. Der Toyota-Autohändler mit Neigung zur Produktplatzierung ist einer der letzten Meister der Büttenrede. Bei den kunstvoll gedrechselten Reimen "Im schwärzesten Parteienfilz, regiert Zwerg Josef Rumpelstilz. Er stampft nicht mit dem Fuß, dem einen, sondern er hüpft auf beiden Beinen" wird sich auch Landeshauptmann Josef Pühringer als Stammgast der Bad Haller Faschingssitzungen auf die Schenkel klopfen.

Ein Wortakrobat in der prunkvoll mit Girlanden geschmückten Turnhalle ist auch Leopold Waldl, der als Fußballfan eine Wuchtel nach der anderen schob: "Bevor ich ein Schwein steiger, kauf ich mir ein Lahm". Oder: "Ibrahimovic hat wie so viele Fußballer seine Wurzeln in Südosteuropa, daher ist es kein Wunder, dass er so viel am Ball kann." Herzerfrischend komisch waren auch Sonja Fahrngruber und Bürgermeister Bernhard Ruf als in der Gastwirtschaft versumpfte Sternsinger: "Was hat der Landeshauptmann mit einem Espresso gemeinsam? Beide sind klein, schwarz und bei zu viel davon kann’s zu Kammerflimmern führen."

 

Pointen des Bad Haller Carnevals

WAPO Leopold Waldl
„Die Stadt in Deutschland mit der höchsten Geburtenrate ist Pille fehlt.“

Altspatzen
In dem Sketch kehrt der Adlwanger Kirchenchor im Weinkeller von Finanzminister Schelling ein. (Schelling besitzt den Stiftskeller von Herzogenburg, er lebte in Bad Hall.) „Jetzt verkosten wir einen Eiswein. - Ja, aber bitte nur ein Würferl!“

Pompfüneberer
Reim über Reinhold Entholzer: „Er schlagt nicht zu viele Meter als Landeshauptmannstellvertreter.“

 

Rauswurf bei „Narrisch guat“ kostet Carnevalsclub einen Lacher

BAD HALL. ORF bringt wieder nur noch Darbietungen von Kärntner und Steirer Gilden auf Sendung.

Der Rauswurf bei "Narrisch guat" kostet Bad Haller Carnevalsclub einen Lacher

Karnevalspräsident Walter Kober ist nicht quotengeil: "Qualität zählt." Bild: BHCC

Bei manchen Sachen hört sich für Walter Kober, den Präsidenten des Bad Haller Carnevalsclubs BHCC, der Spaß auf: Dass die Revue "Narrisch guat", ein Zusammenschnitt von Gilden außerhalb des Villacher Faschings, auch schon auf Sommertournee ging, findet Kober nicht mehr lustig. "Der Fasching ist Brauchtum und ist im Sommer wirklich fehl am Platz", sagt er.

Verschmerzen kann es auch der BHCC, dass er für die ORF-Karnevalssendungen der Reihe "Narrisch guat" aus dem Programm gekippt wurde. "Heuer hat man bei uns gar nicht angefragt", erzählt Kober, der dabei mehr ein lachendes Auge hat: "Die Art mancher Beiträge dort trifft ohnehin nicht die Vorstellung von Qualität, die wir von uns selber verlangen." Von der heurigen Faschingssaison wird der ORF auf Ebene seines Landesstudios berichten, der Faschingkehraus am Faschingdienstag wird im Radio übertragen.

Am wichtigsten sind Kober ohnehin die Live-Auftritte in der Jahnturnhalle vor 3600 Zuschauern bei den Aufführungen ab der Premiere am 6. Februar. Der "Pompfüneberer" Ernst Sieghartsleitner wird als politischer Totengräber wieder seine Nachrufe auf das Verwichene des abgelaufenen Jahres halten, die "Giftspritzen" ihre Freundschaft am Standesamt verpartnern und das "Six Pack" den TV-Reality-Soaps Fett verabreichen.

Die Sketches und Liedtexte für die vier Stunden Programm sind bereits vom Regieteam abgenommen, die Proben gehen am 1. Februar auf der Bühne in der Jahnturnhalle in das Finale. "Wir sind sehr gut im Zeitplan", freut sich Kober über das Engagement der 160 Ehrenamtlichen auf und hinter der Bühne. Licht- und Tontechniker werden heuer an den Reglern einer neu angeschafften Anlage drehen, zum 100.000-Euro-Budget haben auch wieder etliche Sponsoren beigetragen. Damit ist der Bad Haller Carneval im 44. Jubeljahr – die Narren feiern das Vierfache ihrer "Elferzahl" – wieder ausfinanziert, Honorar für die Schauspieler ist es, je lauter der Karnevalsruf "Ba-Ha" im Saal in einer Sprechrakete abgefeuert wird.

"Wir können uns die Gaudi leisten", sagt Kober dazu, dass der Verein als einer der wenigen jährlich Karnevalssitzungen hervorbringt. Es ist für alle Beteiligten ein reines Freizeitvergnügen. 4000 Euro kostet der Obolus an die Komponisten über die AKM, 11.000 Euro kassiert die Gemeinde Adlwang an Lustbarkeitssteuer ab: "Wie die Freiheitsstatue nicht in New York, sondern in New Jersey steht, steht die Turnhalle schon auf fremden Gemeindegebiet", erklärt Kober.

Mehr Anerkennung für die spaßige Brauchtumspflege würde sich der Bad Haller Karnevalspräsident auch vom Staat wünschen. Im Parlament wurde eine Petition der österreichischen Faschingsgilden, den Faschingsdienstag zum amtlichen Feiertag zu erklären, abschlägig behandelt. Die Faschingsnarren werden im Karneval dafür auf die Straße gehen. "Wir werden bei unseren Umzügen diesmal auch Transparente für den Faschingsdienstag mitführen."

 

BHCC

Es entspringt der närrischen Maßeinheit, dass heuer der Bad Haller Carnevalsclub BHCC mit den 44. Karnevalssitzungen ein Jubiläumsjahr hat: 44 ist vier Mal die „Elf“, die „Narrenzahl“. Dem alten Brauchtum gemäß sitzt einer Faschingsgilde immer der „Elferrat“ vor. BHCC-Präsident Walter Kober wird heuer übrigens zum 22.Mal – „wieder eine Zahl zum Feiern“, sagt er – moderieren. Die Aufführungen finden von 6. bis 8. Februar und von 12. bis 16. Februar statt. Als Ehrengäste haben bereits Verkehrsminister Alois Stöger, LH Josef Pühringer, LH-Stv. Reinhold Entholzer und Landesrat Max Hiegelsberger ihr Kommen zugesagt. Am 31. Jänner hat auch heuer wieder eine Kinderfaschingssitzung Premiere. 210 Kinder werden die Bühne bevölkern, die Programmpunkte wurden in den Schulen einstudiert.